Lies doch mal

2015 (5)Per Petterson,

Nicht mit mir

Per Petterson erzählt die Geschichte zweier Freunde, die Mitte der 60er Jahre in einem kleinen Ort in Norwegen aufwachsen.
Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit.
Tom beschützt seine drei Schwestern vor dem prügelnden Vater und wächst danach bei einem Pflegevater auf.
Jim wird bei seiner sehr frommen alleierziehenden Mutter groß.
Fünfunddreißig Jahre später ist Jim psychisch krank und verbringt seine Zeit beim Angeln; Tom arbeitet in der Finanzbranche.
Ein unerwartetes Wiedersehen ist für beide Anlass, sich an ihre frühere Freundschaft zu erinnern.

„Es ist ein Glück, Petterson zu lesen, auch dieses Mal. Nicht, weil es so viel Glück in seinen Romanen gäbe: Pettersons Romanfiguren stehen meist mit dem Rücken zur Wand. Doch es gelingt dem Autor, ganz gewöhnliche Leben ganz gewöhnlicher Menschen auf ganz ungewöhnliche Weise zu erzählen.“ Dagsavisen

Das bringt es auf den Punkt. Die Geschichte selbst ist nicht wirklich spektakulär, aber so wie sie erzählt ist, ist einfach großartig!

“Nicht mit mir” ist im Hanser Verlag erschienen und kostet 19,90 €

 

Tatjana Kruse, Grabt Opa aus!                   004 (4)

Beim Lesen dieses Romans dachte ich zuerst: das ist eine österreichische Variante von R.E.D., jenes amerikanischen Actionfilms um gealterte Spione, die sich auf dem Weg in den Ruhestand befinden (mit Bruce Willis und Helen Mirren).

Alfred Giesswein, Ende 20, hat von einem unbekannten Onkel ein Hotel geerbt, das sich bei näherem Hinsehen als gut gelegener, aber maroder Kasten entpuppt, der von Auftragskillern im Ruhestand bewohnt wird.

Der weltfremde Alfie fällt mehrmals in Ohnmacht, bevor er die rüstigen Greise ins Herz schließt. Weniger Slapstick vor allem am Anfang des Romans wäre gut gewesen, aber es bleibt eine vergnügliche Krimikomödie mit filmreifem Showdown.

Tatjana Kruse
Grabt Opa aus
Haymon Verlag  9,95 €

Edward St Aubyn, Der beste Roman des Jahres003 (5)

Edward St Aubyn, Der beste Roman des Jahres
Passend für die Zeit zwischen der Longlist bis zur Preisverleihung des Deutschen Buchpreises im Oktober liest sich höchst unterhaltsam dieser Roman über den aufgescheuchten Literaturbetrieb kurz vor einer großen Preisvergabe. Edward St Aubyn gelingt dabei das große Kunststück, der Literaturszene nicht einen hämischen Spiegel vorzuhalten, sondern eine wirklich witzige Komödie voller Spiellust und Esprit vorzulegen. Von der Zusammenstellung der Jury über die Auswahl der Romane für die Shortlist bis zum bitteren Ende des Galadinners für den Preisträger ist der Leser überall mit offenem Munde live dabei.

St. Aubyn,
Der beste Roman des Jahres
Piper Verlag    16,95 €

  SIE HAT´S SCHON WIEDER GETAN!!!

 Nach den “Sagen des Altertums” (leider vergriffen) und dem “Mordbrand von Örnulfsdalur und andere Isländer-Sagas” hat
KAT MENSCHIK jetzt das finnische Nationalepos “KALEVALA” illustriert.TILMAN SPRECKELSEN hat das Kalevala in Prosa nacherzählt (und dessen Entstehungsgeschichte gleich mit) – seine Texte und die Bilder von Kat Menschik sind kongenial großartig, ein absolutes MUSS für alle, die schöne Bücher lieben und, nebenbei bemerkt, die preiswerteste Reise nach Karelien, die Sie buchen können…
Übrigens bei Ihrem Buchhändler…
Tilman Spreckelsen/Kat Menschik:
KALEVALA
Verlag: Galiani Berlin
24,99 €
Foto: SIE HAT´S SCHON WIEDER GETAN!!!</p> <p>Nach den "Sagen des Altertums" (leider vergriffen) und dem "Mordbrand von Örnulfsdalur und andere Isländer-Sagas" hat<br /> KAT MENSCHIK jetzt das finnische Nationalepos "KALEVALA" illustriert. </p> <p>TILMAN SPRECKELSEN hat das Kalevala in Prosa nacherzählt (und dessen Entstehungsgeschichte gleich mit) - seine Texte und die Bilder von Kat Menschik sind kongenial großartig, ein absolutes MUSS für alle, die schöne Bücher lieben und, nebenbei bemerkt, die preiswerteste Reise nach Karelien, die Sie buchen können...<br /> Übrigens bei Ihrem Buchhändler...</p> <p>Tilman Spreckelsen/Kat Menschik:<br /> KALEVALA<br /> Verlag: Galiani Berlin<br /> 24,99 €

 

Louise Erdrich, Das Haus des Windes

Man könnte hinter diesem blumigen Titel eine saftige Schmonzette vermuten.

Ernst Jandl würde womöglich sagen: Werch ein Illtum.
Denn „Haus des Windes“ ist Entwicklungsroman, Familiengeschichte, vielleicht auch eine Kriminalgeschichte und noch einiges mehr.

Der englische Titel (The Round House) bezieht sich auf das indianische Rundhaus, in dessen Nähe das Verbrechen geschieht, das Dreh- und Angelpunkt ist für diese Geschichte.
Sie beginnt mit der Frage „Wo ist deine Mutter?“ und wird uns (in Rückschau) von dem damals 13jährigen Joe Coutts erzählt, der mit seinem beunruhigten Vater aufbricht um sie zu suchen.
Sie finden die schwer verletzte Frau, die den brutalen Angriff eines Unbekannten nur knapp überlebt hat und sich weigert über die näheren Umstände zu sprechen.

Bald gibt es einen Verdächtigen aber die Ermittlungen ziehen sich hin.
Auch Joes Vater, einem Stammesrichter, sind die Hände gebunden, weil durch das Schweigen der Mutter der Ort des Verbrechens nicht genau bestimmt werden kann.
In diesem Gebiet in der Nähe des Rundhauses stoßen nämlich die Reservatsgrenzen an privates bzw. Bundesland, so dass die Zuständigkeiten der Behörden nicht geklärt werden können.
Gemeinsam mit seinen Freunden Cappy, Angus und Zack beschließt Joe selbst Ermittlungen anzustellen und das Recht in die eigene Hand zu nehmen.

erdrich 001Eine Sprache, die Bilder malt, Figuren, die man so schnell nicht vergisst, eine packende Geschichte, die unter die Haut geht und ein wunderbarer Humor: für alle, die Louise Erdrich schon seit langem schätzen, gibt es mit diesem neuen, bereits preisgekrönten Roman (National Book Award) endlich Nachschub und für alle anderen ist dieses Buch ein möglicher Einstieg in die Welt der außergewöhnlichen Autorin.

Weitere Titel von Louise Erdrich:
-Die Rübenkönigin
-Der Club der singenden Metzger (lassen Sie sich auf keinen Fall vom Titel abschrecken!!!)
-Der Bingo-Palast

Amy Waldman, Der amerikanische Architekt                                                                                                                                                                                                                                                                Schöffling Verlag

g-waldmann coverAmy Waldmans Debüt als Romanautorin beginnt mit einem Paukenschlag: im New York des Jahres 2003 entscheidet eine sehr heterogene Jury über die anonymisiert eingereichten Entwürfe für ein Denkmal am Ground Zero. Nach langen Beratungen hat man sich schließlich auf einen Garten als Ort des Gedenkens geeinigt und muss feststellen, dass der Architekt desselben Muslim ist.

Eine öffentliche Diskussion darüber, wer das Recht auf öffentliche Trauer hat, wer nicht und wer die Gedenkstätte für sich reklamieren darf, läuft schnell aus dem Ruder.

Anhand der Schicksale einer Handvoll Protagonisten zeichnet die Autorin ein differenziertes Bild der amerikanischen Gesellschaft nach den Anschlägen; einer Gesellschaft, die ihre eigenen Ideale verrät und so die Chance auf einen gemeinsamen Neuanfang verspielt.

Amy Waldman hat einen sehr gut lesbaren Roman geschrieben, der nachwirkt, lange nachdem man das Buch zugeklappt hat.

Torsten Schulz, Nilowsky                                                                                                                                                                                                                                                                                                      Verlag Klett Cotta

schulzBerlin, Mitte der 70-er Jahre. Markus Bäcker (14) wohnt seit Kurzem am Stadtrand zwischen Bahndamm und der Chemiefabrik in der seine Eltern arbeiten. Es ist laut dort, es stinkt und es ist für Markus keine Heimat. Das ändert sich erst als er Reiner Nilowsky kennen lernt, einen charismatischen 17jährigen, der an die Weltrevolution ebenso fest glaubt wie an Voodoo-Zauber um die Liebe zu beflügeln. Er glaubt nämlich auch daran Carola zu heiraten, die angebetete Kindfrau, die allerdings nicht älter als 13 Jahre sein will. Ihre Freundschaft ist bedroht als Markus sich ebenfalls in die undurchschaubare Carola verliebt. Skurrile Charaktere bevölkern Nilowskys persönlichen Kosmos, den man als Leser gemeinsam mit Markus betritt und für eine Weile zu seinem Zuhause macht. Mit viel Zuneigung für seine Figuren erzählt Torsten Schulz von Freundschaft und Liebe, vom Finden und Loslassen und von den Irrungen und Wirrungen des Erwachsenwerdens.

“Sommer in Maine” von J. Courtney Sullivan                                                                                                                                                                                                         Deuticke Verlag

D_Sullivan_SommerMaine_RZ.inddMitte der 40er Jahre gewinnt Daniel Kelleher ein Strandgrundstück in Maine und  baut mit seiner Frau Alice ein Sommerhaus. Die Familie wächst und verbringt gemeinsam unzählige glückliche Sommer im Strandhaus. Fünfzig Jahre später ist Alice verwitwet. Die Kinder und Enkelkinder teilen sich schon länger die Sommermonate so auf, das sie sich nicht begegnen müssen. In diesem Roman erzählen vier Frauen unterschiedlicher Generationen die Geschichte ihres Familienclans,  geplatzter und gelebter Träume und streng gehüteter Geheimnisse. Ein Roman wie ein Sommer am Strand mit Familienanschluß!

 

“Das blaue Buch” von A.L.Kennedy        Hanser Verlag

Elizabeth Barber macht eine Kreuzfahrt mit ihrem mehr als vorbildlichen Freund Derek, der kurz davor steht, ihr einen Antrag zu machen. Ihrer großen Liebe Arthur hat sie den Rücken gekehrt – und damit auch ihrer Vergangenheit als Betrügerin. Mittels Verständigung über einen geheimen Zahlencode hatten die beiden jahrelang auf Seancen vorgegeben, Kontakt zu Verstorbenen aufzunehmen. Während Derek seekrank im Bett liegt, taucht auf dem Schiff Arthur auf und Elizabeth muss sich noch einmal entscheiden. Wahrscheinlichkeit, Mechanismen der Manipulation und immer wieder Liebe sind die Themen dieses Romanes, der so überraschende Wendungen nimmt, dass man gleich noch einmal von vorn beginnen möchte.


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